Es heißt ja bekanntlich „Mordor sehen und sterben“ … oder so ähnlich. Mit dem Turbo Hobo 1600 der Marke Tschum seid ihr auf jedenfall nah dran. Wir haben uns für euch mal angeschaut was diese „Turbine“ leistet und ob sie sich für den gemeinen Bushcrafter eignet.

Vor einiger Zeit waren wir mal wieder auf der Suche nach neuem Gear, das unseren nicht zu kleinen Bestand an Outdoor Equipment sinnvoll ergänzen kann.
Inzwischen sollte es jedem aufgefallen sein, wir trinken gern kalt, essen gern warm und von Beidem natürlich gern zuviel. Da der Getränke Part vor kurzem durch eine DIY-Ammo-Can-Kühlbox, der ein oder andere hat es bestimmt auf Instagram gesehen, aufgestockt wurde, ging es nun darum die Essenszubereitung zu perfektionieren.

Wie es der Teufel, oder in dem Fall Sauron, wollte sind wir dabei auf den Turbo Hobo 1600 von Tschum gestoßen. Was auf den ersten Blick wie die Redneck Hinterhof Version einer Mondlandefähre aussieht und auch teilweise so klingt hat uns dann aber richtig vom Hocker gehauen.

Die in Deutschland ansäßige Marke Tschum – der Name leitet sich dabei von der traditionellen Behausungen sibirischer Urvölker ab – ist sonst für die Produktion von schweren unverwüstlichen Zelten bekannt, hat aber auch einige nette Gimmicks für das gemütlich Campleben in ihrem Repertoire. Sie übernimmt den Vertrieb des Hobos in Deutschland.

Der Turbo Hobo 1600 ist, wie der Name bereits vermuten lässt, ein Hobo im klassischen Sinn. In einem Hauptkorpus wird mit Hilfe von allem was die Natur zu bieten hat ein Feuer gemacht über dem sich dann kochen lässt. Anders als die sonst so spartanisch ausgeführten Hobos wurden im TH 1600 aber ein paar Nette Verbesserungen verbaut, aber dazu später mehr.

Maße
Zusammengepackt: 14 cm hoch und 14 cm im Durchmesser
Aufgebaut: 25 cm hoch und 14 cm im Durchmesser
Gewicht: laut Hersteller ~ 800g ohne Batterien und Beutel, das vollständige Gewicht beläuft sich auf ~900g
Material: Edelstahl-Blech?
Material Packsack: Dünnes Nylon

Gefertigt wird der TH 1600 in Russland und, wie bei vielem bewährtem Gear aus Russland, liegt hier der Fokus ganz deutlich auf Funktionalität und Stabilität. Der TH 1600 muss ballern wie ein alter T-34, mehr nicht! Das bedeutet die Bleche sind nur grob entgratet und anstelle einer durchgehenden Schweißnaht wurde der Korpus nur punktgeschweißt. Da dies alles der Funktionalität keinen Abbruch tut kommen wir damit aber vollkommen klar. Bei unserem TH war nur eine kleine scharfe Kante zu finden die aber mit der Feile des Leatherman Charge direkt entgratet wurde.

 

 

Aufbau

Der Hobo verfügt über drei ausklappbare Füße die eingeklappt perfekt unter dem leicht erhöhten Rand des Korpus verschwinden. So können sie je nach Lust und Laune verwendet werden oder auch nicht, ohne im Weg zu sein.

Der Hauptkorpus verfügt an der Seite über zwei gummiummantelte Griffe um den Hobo bewegen bzw. ausrichten zu können. Ansonsten befindet sich in der Seitenwand des Korpus eine runde Belüftungsöffnung mit nach Innen versetzter Schutzwand. Diese trägt dafür Sorge, dass die einströmende Luft um den, sich im Inneren befindenden, Brennkorpus herumgeführt wird. Genau hier kommt auch das nächste Gadget zum Einsatz.

Stop! Was war das vorhin? Batterien in einem Hobo, wird der aufmerksame Leser sich jetzt fragen, sind die total durch den Wind?
Ja, das sind wir bestimmt, aber für die Batterien gibt es dennoch eine gute Erklärung.

Anders als die anderen traditionellen Hobos verfügt der TH 1600 nämlich über ein geheimes Gadget, das ihm ermöglicht auch mit nassen Materialien ruck zuck ein Feuer zu entfachen. Und zwar verfügt der TH über sein eigenes kleines Gebläse das bei Bedarf von außen auf die Belüftungsöffnung des Korpus aufgesteckt werden kann um dem Feuer ein bisschen Starthilfe zu geben.

Das Gebläse ist in ähnlicher Manier gebaut und verfügt über zwei Geschwindigkeiten die mit Hilfe eines kleinen Schalters gewechselt werden können. Im Endeffekt werden für die zwei Geschwindigkeitsstufen die vorhandenen AA-Batterien je nach Stufe einfach in Reihe geschalten, oder auch nicht.

Vor Verwendung wird noch der Topfhalter aus dem Brennkorpus nach oben gezogen wo er sauber in einer umlaufenden Kerbe einrastet und so sicher und stabil steckt. Am Topfhalter befinden sich noch drei zusätzliche Haken die zur Vergrößerung der Auflagefläche nach außen gedreht werden können.

Verstauen lässt sich für den Transport alles im Hauptkorpus in dem selbst das Gebläse noch Platz findet.

Aber Bilder sagen bekanntlich mehr als tausend Worte also hier was für’s Auge.

 

 

Fazit: Durch seine ausklappbaren Füße bietet er einen zusätzlichen Abstand zum Boden was zum Einen den Boden vor der Hitze schützt und zum Anderen das Kochen in angenehme 30cm Bodenhöhe erhebt.

Die Griffe am Hauptkorpus sind nett und dienen auch ihrem Zweck, allerdings müssen sie bei Betrieb zwingend abgestellt werden da der Gummi sonst am Korpus anschmelzen würde. Da die Griffe auch lediglich punktgeschweißt und dazu sehr dünn sind würden wir den Hobo bei voller Holzlast aber niemals nur an ihnen bewegen.

Da aufsteckbare Gebläse leitet gute Arbeit und peitscht den Hobo richtig an, kurz gesagt bei uns heißt es nicht mehr „Mach mal Feuer!“ sondern „Schür die Feuer Mordors an“. Mit Hilfe der zwei Stufen lässt sich die Temperatur auch gut regulieren und trotz erster Befürchtungen ist das Gebläse auch bisher nicht bemerkenswert heiß geworden. Dennoch würden wir das Gebläse im ausgeschalteten Zustand niemals am Hobo belassen.

Der Brennkorpus dient gleichzeitig auch als Aschetopf und lässt sich bei Bedarf komplett aus dem Hobo entfernen. Brennkorpus und Topfhalter sind mit Belüftungslöchern versehen was bei näherer Betrachtung ein bisschen an den DIY-Ikea-Hobo erinnert.

Es ist aber auch nicht alles Gold was glänzt. Durch das Gebläse verbrennt das Holz im Inneren deutlich schneller als beim Standart Hobo ohne Gebläse. Das zieht natürlich einen höheren Verbrauch nach sich und man ist eigentlich nur am Nachschieben.

Das Gebläse läuft mit Batterie – ja richtig – die Dinger die, wenn sie in die Natur gelangen, sagen wir, eher nicht so optimal sind. Also nehmt eure Batterien immer wieder brav mit nach Hause und entsorgt sie sachgemäß. Wenn ihr das Gebläse nur zum Anheizen nehmt, halten sie länger und ihr habt einen geringeren Durchlauf an Batterien.

Der Hobo ist für 90€ auf der Seite von Tschum zu finden. 90€ ist ne Menge Holz und der Hobo damit sicher nicht ganz billig. Bedenkt man aber das durchaus durchdachte und stimmige Konzept und kocht wie wir gern über dem offenen Feuer ohne dabei an Grillstellen gebunden zu sein, so ist der Preis durchaus gerechtfertigt.

Letztendlich muss aber jeder für sich selbst entscheiden ob der TH 1600 zu ihm passt. Dieser verbindet die schlichte und robuste Funktionalität altbekannter Hobos mit neumodischer Technik was auf viele Hobonutzer sicher abschreckend wirkt. Wer das Gebläse nicht nutzt hat schlichtweg einen teuren, etwas sperrigen Hobo der mit seinen 90€ noch 20€ über der Bushbox XL liegt, die zudem auch um einiges handlicher ist.

Für uns ist er trotzdem ein tolles Geschoss und eine nette Ergänzung für’s Lagerleben.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Cheerz Tick // TAC-DUCK